Geschichte und Leistung im Überblick
von Wilhelm Matull
Dem Erscheinen dieses Bandes sind langwierige Forschungen im In- und Ausland sowie die Befragung zahlreicher Wissensträger vorangegangen. Mit ihm wird erstmals die Geschichte der Arbeiterbewegung innerhalb eines begrenzten Raumes dargestellt. Ostpreußen schien dafür besonders geeignet, da es zahlreiche Persönlichkeiten hervorbrachte, die für ganz Deutschland und seine Entwicklung hohe Bedeutung erlangten.
Beispielhaft für andere Landesteile wird mit diesem Buch um so mehr eine Forschungslücke geschlossen, als es zugleich und von seiner Aufgabe her zu einer ostpreußischen Sozialgeschichte wird. So werden die organisatorische Entwicklung der Bewegung, ihre Presse, ihre kulturellen und politischen Leistungen, ihre vielfältige Arbeit insgesamt und an zahlreichen Einzelfällen veranschaulicht. Wesentliche Aufmerksamkeit wurde den handelnden Persönlichkeiten und namentlich jenen geschenkt, die über die Provinzgrenzen hinaus Einfluß gewannen. Die Charaktere dieser Männer und ihre Handlungsweise werden deutlich, eine große Zahl von Namen wird aber auch genannt, deren Träger Teil des Geschehens waren.
Der Autor kann sich auf unbekannte und unveröffentlichte Quellen stützen. Dem Text sind auch seltene Porträts, Schriftproben und die Veranschaulichung von Zeitungen beigegeben. Ein Namensverzeichnis erleichtert die Benutzung des Bandes.
Der Autor wurde 1903 in Königsberg/ Pr. geboren, dort bestand er auch 1923 sein Abitur, um dann bis 1928 an der Albertina zu Königsberg und in München Geschichte, Germanistik, Musikwissenschaft und Pädagogik zu studieren. Von 1928 bis 1933 war er an der „Königsberger Volkszeitung" als Kunstkritiker und Redakteur tätig. Die Zeit bis 1945 brachte ihm Verfolgungen und Beschäftigungen bei der ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft oder der Schichau-Werft in Elbing und Königsberg. Die Volkshochschule Hannover wurde ihm von 1946 bis 1954 als Geschäftsführer, dann als Direktor anvertraut. Die Folgezeit bis 1968 verbrachte er — zuletzt als Ministerialrat — im Staatsdienst, und zwar in den Zentralen für politische Bildung Hannover, Bonn und Düsseldorf, in dem er heute lebt.
Inhaltsverzeichnis
Seite
Zum Geleit. Von Herbert Wehner V
Inhaltsverzeichnis VII
Vorbemerkungen
Anfänge einer Arbeiterbewegung 1830-1848 2
Geburtshelferrolle von Jacoby und Rupp 4
Andere Wegbereiter 5
Klärung und Sammlung 1848-1878 7
Die Märztage in Königsberg 8
Zwiespältige Trends 11
Die Rolle der Arbeiterschaft 12
Enttäuschung und Rückfall 13
Dürftige Weiterexistenz der Arbeitervereine 14
Die Bedeutung der Presse 17
Zu neuen Ufern 18
Die Sozialdemokratie formiert sich 19
Zustrom aus dem radikal-demokratischen Lager 20
Neue Presseversuche 22
Tod Johann Jacobys 23
Bewährung trotz Verbot — Aufstieg bis zum i. Weltkrieg 1878-1914 • 26
Ostpreußens Arbeiterbewegung während der Verbotszeit . • 28
Gewerkschaftliche Organisationsformen 29
Die Politiker Godau und Schultze 31
Aufschwung nach dem Fall des Sozialistengesetzes 36
Sogar Großgrundbesitzer waren dabei 37
Die Rolle der Arbeiterpresse 39
Neue Parteiführer treten auf 42
Die Persönlichkeit Hugo Haases 44
Der Königsberger Prozeß 45
Der Aufstieg von Otto Braun 47
Noskes Erinnerungen an Königsberg 48
Der erstaunliche Lebensweg von Ludwig Quessel 49
Aus Ostpreußen in die Reichspolitik 52
Selbsthilfe und Kulturorganisationen 53
Die Gewerkschaftsbewegung holt auf 55
Der Vormarsch der Sozialdemokratie 59
Ausbreitung der Arbeiterpresse 62
Nicht gerechtfertigter Optimismus 65
Vom Weltkrieg zu Revolution, Kapp-Putsch und Volksabstimmung Seite
1914-1920 67
Arbeiterbewegung und Krieg 67
Differenzen und Abspaltungen 68
Die Revolutionstage in Ostpreußen 73
Krisenhafte Situation 1919 78
Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 83
Aufstieg und Tragik von August Winnig 86
Tod Hugo Haases 86
Der Kapp-Putsch 87
Gewerkschaften in der Weimarer Republik 88
Eine junge Generation rückt nach 89
Arbeiterpresse nach 1919 92
Hoffnungen und Aufstieg 93
Friedrich Ebert eröffnet die Deutsche Ostmesse 93
Mitarbeit in der Weimarer Republik 1920-1933 94
Wachsende Bedeutung der Partei nach der Wiedervereinigung • 96
Ostpreußens SPD-Abgeordnete in der Parlamentspraxis • 99
Verbreiterung der gewerkschaftlichen Tätigkeit 104
Entwicklung der Arbeiterpresse nach 1920 2o6
Arbeiter-Sport- und Kultur-Kartell 108
Die Sozialistische Arbeiterjugend 110
Jungsozialisten und sozialistische Studenten 112
Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer 113
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 113
Treue und Tragik in den Auflösungsjahren der Weimarer Republik 116
Verfolgung — Verbot — Widerstand 1933-1945 120
Fehlbeurteilung des 30. Januar und des i. Mai 1933
Halblegale Fortsetzung der Organisationsarbeit 121
Verhaftungen, Schutzhaft und Lebensbedrohungen 122
Illegale Arbeit nach dem 20. Juni 1933 127
Kriegsausbruch und erneute Verluste 127
Schicksale 1945-1948 129
Trotz Heimatverlust nicht untergegangen! 130
Nachwort 132
Quellen- und Literaturnachweis 134
Namenregister 141
Geb., Leineneinband mit Schutzumschlag, guter- sehr guter Zustand, 150 Seiten mit Abb., HOLZNER-VERLAG WÜRZBURG, 1970