Vincenz Oertle
"Sollte ich aus Rußland zurückkehren..." Schweizer Freiwillige an deutscher Seite 1939-1945. Eine Quellensuche.
Mehr als 50 Jahre nach Kriegsende; in einer Zeit, in der die Schweiz und die Schweizer aufgefordert werden, ihr damaliges Verhalten objektiv zu durchleuchten, ist die Dokumentenstudie von Vincenz Oertle ein aussagekräftiger Baustein zu einem differenzierten Bild der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Die im Originaltext zugänglich gemachten Dokumente zeigen vornehmlich Einzelschicksafe, darüber hinaus aber auch drei wichtige Erkenntnisse:
* Mit etwas mehr als 900 Freiwilligen, die in deutsche Kriegsdienste traten, bewegt sich die Schweiz eindeutig weit unterhalb der Zahl der Teilnehmer in anderen europäischen Freiwilligenverbänden.
* Der Großteil dieser Schweizer ging nicht nach Deutschland, weil sie überzeugte Nationalsozialisten waren, - auch der Kampf gegen den Bolschewismus war nur für wenige ein entscheidendes Motiv - sondern dieser Schritt wurde vielmehr aus ganz persönlichen Gründen getan: verkrachte Ehe, Schulden, berufliche Schwierigkeiten, persönliche Ressentiments gegen die Schweizer Armee oder ganz einfach Abenteurertum.
* Die Schweizer Justiz setzten das geltende Recht strikte durch. Wer in ausländische Kriegsdienste eintrat, wurde militärgerichtlich belangt und verurteilt. Es kann keinerfei Willfährigkeit gegenüber der Naziführung festgestellt werden.
So ergibt sich aus Einzelschicksalen von Helden und Feiglingen, Drückebergern und Solddienstnostalgikern, Naiven und Fanatikern, Mitläufern und Führern ein Gesamteindruck über das Verhalten einer kleinen Minderheit, das von der offiziellen Schweiz und der überwältigenden Mehrheit der Schweizer Bürger und Bürgerinnen nie gebilligt wurde.
Kart., 745 Seiten mit zahlr. Abb. und einer Faltkarte, Einband bestoßen und an der vorderen Unterseite geknickt, Schnitt fleckig, guter Zustand
Diesen Artikel haben wir am Donnerstag, 01. September 2011 in unseren Katalog aufgenommen.
